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"Nur einmal Babys haben"

Süße Bilder von Babyhäschen überall, in den Kleinanzeigen, beim Züchter und und und... man wird richtig seelig, wenn man sich vorstellt, das eigne Kaninchen wird mal so süße Babys haben, die man aufziehen kann und umsorgen kann. Wie schwer kann das auch sein, schließlich sieht man ja so viel Kaninchenbabys überall und alle sehen sooooo unendlich süß aus und verkaufen kann man sie auch, wenn es zu viele zum Behalten werden. Wieso sollte, dann auch nicht unsere Mümmeline mal  Mama werden??? ist Doch easy!!!

Nein!!! Das ist es nicht!!! Auf dieser Seite wird knallhart aufgezeigt und erläutert, auf was man alles achten muss und was alles passieren kann, selbst bei erfahrenen Züchtern. Wer schwache Nerven hat sollte sich die folgenden Bilder eventuell nicht ansehen.... aber es ist leider die nackte Wahrheit. 

Viele Züchter kennen sie, die Argumente/Mythen von Hobbyhaltern die mal Nachwuchs haben wollen:

  • aber Babykaninchen sind so süß und ihr bekommt es ja auch hin
  • meine Häsin ist zickig und das soll ja helfen damit sie lieb wird
  • meine Häsin/mein Rammler muss einmal Babys bekommen das ist die Natur
  • unsere Hasis sehen so hübsch aus, die haben bestimmt tolle Babys die ebenso aussehen
  • wir haben schon Abnehmer für die Babys 
  • die Kinder sollen mal mit Tiernachwuchs aufwachsen/das erleben 
  • ich möchte meine Gruppe vergrößern, wenn die Babys dort geboren werden, verstehen sie sich automatisch später mit den vorhandenen Kaninchen

 

Aus Züchtersicht ist der Wunsch nach Nachwuchs nachvollziehbar. Aber wir möchten auch aufzeigen, dass eben nicht alles so läuft wie man so denkt, und das mehr dazu gehört als nur Weiblein und Männlein zusammen machen zu lassen. Wie jeder nach all dem folgenden Input entscheidet ist jedem selbst überlassen. Ich persönlich geben NICHT an Vermehrer ab. ich unterstütze Zuchtanfänger, die gewillt  sind sich in die Materie Zucht einzuarbeiten und wirklich zu züchten.

 

Aufklärung zu den o.g. Aussagen/Mythen:

 

"aber Babykaninchen sind so süß und ihr bekommt es ja auch hin"

 

Ja wir als Züchter bekommen es (oft) hin, aber das erfordert vielen Fachwissen und auch Niederschlägen bis man dahin kommt süße, gesunde und typvolle Tiere präsentieren zu können.. Als Züchter hat man nicht nur Glück, sondern muss Zuchttiere unter vielen Aspekten auswählen, dies erfolgt meist auch unter Vertrauen gegenüber andrer Züchter bzw. einer bedingten Kontrolle bestimmter Aspekte. Züchter besitzen aber auch Wissen auf was man bei der Zuchtierauswahl achten muss und was es zu beachten gibt um möglichst Misserfolge zu vermeiden... weiteres dazu zu lesen weiter unter in diesen Bericht oder in der Rubrik und Vererbungslehre.

 

"meine Häsin ist zickig und das soll ja helfen damit sie lieb wird"

 

Eine Wesensveränderung hingegen des Mythos ist nicht zu erwarten. Eine einmalige Trächtigkeit führt nicht zu einer langwierigen Wesensveränderungen der Häsin. Oftmals sind es andere Gründe wie Pubertät, erhöhter Hormonspiegel durch eine Veränderung des Gebärapperates, Scheinträchitgkeit oder äußere Auswirkungen wie falsche Haltungsbedingungen oder falsche Partnerwahl. Das Verhalten wird also nur wenn dann kurzfristig verändert oder kann gar verschlimmert werden.

 

"meine Häsin/mein Rammler muss einmal Babys bekommen das ist die Natur"

 

In der Natur leben Kaninchen in Kolonien und haben häufig Nachwuchs, jedoch dient dies dem Arterhaltungstriebes. Ein domestiziertes Haustier steht unter unserer Obhut. Es gehören einige Aspekte dazu, damit sowohl der Deckakt, als auch Trächtigkeit und Geburt gut gehen und die Häsin später gesunden Nachwuchs großzieht. Dies alles gehört nicht mehr zur Natur, da wir als Menschen entscheiden wann eine Häsin Nachwuchs bekommt und wann ein Rammler Nachwuchs zeugt.... auch die Partnerwahl wie in der Natur entfällt. Also ist das nicht die Natur! Dazu genügt ja in der Natur nicht einmal fortpflanzen damit sie sich "besser" fühlen, es gibt ja nicht um sonst das Sprichwort " ...vermehren sich wie die Karnickel". Eine Häsin oder ein Rammler können ebenso gut leben ohne Nachwuchs zu zeugen. Rammler haben nach der Kastration oft gar keinen Fortpflanzungstrieb mehr, vor allem wenn dies rechtzeitig geschieht. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel.

 

"unsere Hasis sehen so hübsch aus, die haben bestimmt tolle Babys die ebenso aussehen"

 

Nur wegen dem Grund eventuell hübsche Tiere zu erhalten die den vorhandenen ähneln ist ein sehr egoistischer Gedankengang, wenn man betrachtet was alles schief gehen kann. Oft wird gedacht wenn ich z.B. meine weiße Häsin mit einem schwarzen Rammler decken lasse kommen bestimm wieder weiße und schwarze Babys heraus, dem ist nicht so. Die Farbvererbung von Kaninchen ist schon etwas komplizierter und es können durchaus durch Trägereigenschaften andere Farben raus kommen bzw. durch Farbdominanz eben nur die eine Farbe. Und ob die Babys dann wirklich so gut aussehen ist auch dahin gestellt, vielleicht bekommen sie schiefe Zähne, weil nicht darauf geachtet wurde, dass die Kopfform der Eltern schon viel zu klein und rund/gedrungen ist. Süß ist übrigens auch kein Zuchtziel!

 

"wir haben schon Abnehmer für die Babys"

 

Das ist sehr löblich, wenn man sich vorher schon Gedanken macht, wie man seinen Nachwuchs unterbringt. Die einen wollen mit einen Wurf ihre Gruppe vergrößern, andere haben schon Interessenten im Bekanntenkreis. Aber man sollte nie außer Augen lassen, dass man immer noch keine Ahnung von Genetik, sinnvoller Verpaarunge und all dem anderen hat, was da noch so dran hängt. Somit läuft man leider weiter die in Gefahr Fehler zu machen, die im schlimmsten Fall das Leben der Babys und Mutter kosten können. Auch wenn Abnahmen zugesagt sind möchte ich einen Denkanstoß geben:

Was ist, wenn nicht die entsprechenden Geschlechter geboren werden- werden sie dann immer noch genommen von Bekannten oder passen sie dann noch in die vorhandene Gruppe, hat man das Geld 5-6 Rammlerchen kastrieren zu lassen?

Was ist wenn die Tiere mit einen Gendefekt behaftet sind oder andere Anomalien aufzeigen z.B. Zahnfehler, Blindheit, Deformierte Gliedmaßen usw.- werden die Abnehmer, die kleinen dann auch nehmen? Will man sie dann selber noch? Kann man die Tierarztkosten für spezielle Behandlungen aufwenden+ Kastration etc.? Möchte man die Tiere dann so lange betreuen bis sie ein Zuhause finden... Handycapkaninchen finden wesentlich schlechter ein Zuhause als gesunde Tiere.

 

"die Kinder sollen mal mit Tiernachwuchs aufwachsen/das erleben "

 

Die Kinder wachsen mit Tieren auf, das ist eine wirklich wertvolle Erfahrung. Auch dass sie Tierkinder mit aufwachsen sehen und sie mit betreuen mag für jede Mama ein Herzenswunsch sein. Jedoch möchte ich wirklich inständig bitten davon abzusehen, insofern man nicht die entsprechenden Voraussetzungen (Wissen, Geld, Platz..) besitzt. Damit die eignen Kinder eine Erfahrung mehr haben sollte man nicht mit  Leben spielen. Es gibt andere Möglichkeiten wie Kinder Tierkinder aufwachsen sehen können. Fragen sie z.B. den örtlichen Tierzüchter oder Bauern, ob die Kinder regelmäßig kommen können wenn wieder Nachwuchs ansteht. Die Kinder können evtl. etwas mit im Stall helfen und lernen so gleich Verantwortung zu übernehmen und lernen vielleicht direkt beim Züchter wichtiges Zuchtwissen und wer weiß, vielleicht entsteht so ein kleiner Nachwuchszüchter. 

 

"ich möchte meine Gruppe vergrößern, wenn die Babys dort geboren werden, verstehen sie sich automatisch später mit den vorhandenen Kaninchen"

 

Die Geburt in eine bestehenden Gruppe garantiert nicht  das spätere harmonische Zusammenleben. Sicher werden die jungen direkt in der Gruppe geboren und werden durch die vielen Artgenossen bestens sozialisiert. Jedoch hat das nur indirekt einen Einfluss auf den späteren Charakter. Nehmen wir mal  an die Gruppe besteht aus einen Kastraten und 2 Häsinnen... bzw. der Papa wird nach dem Decken kastriert und bildet den Kastrat.... die Häsin wirft 6 Jungtiere- 2 Häsinnen 4 Rammler... zuerst kommt der Kostenfaktor 4 Rammlerchen kastrieren zu lassen. Dann könnte der Kastrat, welcher ja ein Spätkastrat ist die Jungs nicht in seinem Harem akzeptieren, dies kann auch schon sein, wenn sie noch recht jung sind und es kann auch sein, dass sich das nicht legt nach deren Kastration. Die 2 Häsinnen aus dem Wurf, wie wird die Stimmung werden, wenn die beiden in die Geschlechtsreife kommen. Es wird ein heilloses Gekabbel geben mit Machtkämpfen. Wenn man Glück hat ist das nur zu Beginn so und legt sich wenn die Pubertät vorbei geht bzw. die erste/zweite Hitzigkeit. Wenn man Pech hat, zeigt sich dann erst, dass es 2 dominante Häsinnen sind wo es dauerhaft mit den Althäsinnen zu Machtkämpfen um die Rangfolge kommt. Wie man hier sieht kann viel passieren muss aber nicht. Man muss selbst abwägen ob man dem gewachsen ist und ob man das so möchte.

+++Achtung+++

Auf den folgenden Bilden sehen Sie was alles passieren kann bei dem Versuch Nachwuchs zu bekommen. Manche dieser Dinge passieren auch durchaus erfahrenen Züchtern, denn trotz all den Vorsichtsmaßnahmen und wissen steckt man nun mal nicht in den Tieren drin und bestimmte Gendefekte treten eben erst auf, wenn man 2 Trägertiere verpaart. Die Bilder sind teilweise eklig und erschreckend aber zeigen nun mal die traurige Wahrheit

Maxfaktor

Der Maxfaktor ist ein rezessiver Gendefekt, der nur auftritt wenn 2 Trägertiere miteinander verpaart werden. Benannt wurde der Gendefekt nach dem Rammler "Max" wo der Gendefekt das erste mal auftrat (USA). Bei diesem Gendefekt werden die Jungen oft mit offenen Augen und/oder Schädeldecke geboren, auch können die Gliedmaßen deformiert sein. Die Jungen überleben meist nicht lange, werden nicht alt und hängen in der Entwicklung immer hinterher. Durch die bei Geburt geöffneten Augen gelangen oft schon im Mutterleib Keime ins Auge, welches die Tiere früher oder später erblinden lässt. Sollte dieser Gendefekt auftreten sind beide Elterntiere betroffen und sollten aus der Zucht genommen werden, ebenso scheinbar gesunde Geschwistertiere, welche höchstwahrscheinlich Trägertiere sind.

Hippopotamus- "Hippos"

Dieser Gendefekt wurde so benannt, da die Tiere an ein kleines Nilpferd erinnern. Hier fehlen oft Schwanz sowie ist der Kopf kurz und gedrungen, sowie sind die Beine kurz und die Zehen deformiert bzw. nur wenige Zehen ausgebildet. Auch der Körper ist meist überdimensional dick. Oft werden diese Jungen tot geboren oder sterben kurz nach der Geburt. Die Entstehung bzw. Vererbung dieses Gendefektes ist noch nicht gänzlich geklärt. Man geht von Kopplung mit dem Zwergengen aus, ebenso wurde ein Zusammenhang mit häufiger Antibiotikagabe oder den öfteren Einsatz von Fenbendazol beobachtet.

Bilder 1-4: Wurf bei Hermelin BlA gefallen nebst lethalen Zwergen und normalen Zwergen(Typzwergen)

Lethale Zwerge

Diese Jungen sind oft viel kleiner als ihre Geschwister, nicht zu vergleichen mit einfach kleineren Jungtieren. Charakteristisch sind ihre noch recht embryonenhaften Erscheinungen mit den dicken Köpfen bzw. bulbigen Köpfen(Wasserköpfen), den sehr kurzen Ohren, den hervortretenden Augen und ihrer winzigen und dürren Erscheinung. Oft sind sie kleiner als ein Daumen. Diese Jungen können entstehen wenn man 2 Typzwerge verpaart, somit doppelt sich das Zwergengen und es kommt zu "reinerbigen" Zwergen. Oft wird gedacht man kann dies ausschließen in dem man nicht die kleinsten Zwerge verpaart, doch nicht immer ist ein Typzwerg am Aussehen und Gewicht zu erkennen. Das Retten dieser Jungen mittels Zufüttern etc. ist vergebens, da diese oft keinen oder kaum Saugrefelx besitzen und die Milch auch oft nicht verarbeiten können.

"abgefressenes Ohr"

Lucille Kirsten/Mathias Hemmling

T588 Kleintierzuchtverein Günthersleben

Dalmatiner Rex Zucht Thüringen

angefressenes Neugeborenes

Lucille Kirsten/Mathias Hemmling

T588 Kleintierzuchtverein Günthersleben

Dalmatiner Rex Zucht Thüringen

abgefressene Hinterbeine und Schwanzspitze

angefressene Jungtiere

Oftmals findet man auch im Nest oder Stall ein angefressenes Jungtier. Manchmal sind nur kleine Stellen angefressen wie an Pfötchen, Schwanz, und Ohren. Dies passiert mit unter auch beim unvorsichtigen oder zu starken Putzen der Mutter, oder bei schweren Geburten, wenn die Häsin irgendwie versucht das Junge herauszubekommen (enger Geburtskanal, unzureichende Wehen, starke Schmerzen). Aber man findet auch sehr zerfressene Jungtiere wo ganze Gliedmaßen fehlen, Bauchraum oder nur noch Teile des Jungtieres zu finden sind. Dies passiert oft, wenn die Häsin einen Mangel hat und versucht diesen dadurch auszugleichen. Ebenso kann dies passieren wenn sie zu viel Stress ausgesetzt ist wie z.B. Nähe zum Rammler, permanente Störung durch Artgenossen oder Menschen, schlechte Haltungsbedingungen.

1) langgezogenes Jungtier

Lucille Kirsten/Mathias Hemmling

Dalmatiner Rex Zucht Thüringen

2) Jungtier+ Häsin nach schwerer Geburt

3) Gebärmutter mit Ruptur obenlinks

Lucille Kirsten/Mathias Hemmling

Dalmatiner Rex Zucht Thüringen

herausgezogenes Jungtier

Versuch des Herausziehens eines bereits verwesenden Jungtieres, die Haut zieht sich schon ab

feststeckendes schon langgezogenes Jungtier

Das Jungtier konnte nur noch tot aus der Häsin geholt werden

Geburtsprobleme

Durch einen zu engen Geburtskanal oder zu große Jungtiere kann es zu massiven Geburtsproblemen kommen, die ohne Eingreifen des Menschen oft auch mit dem Tod von Mutter und Jungtier enden können. Die Häsin kann das Jungtier aus den genannten Gründen nicht gebären und der Mensch muss mithelfen, dadurch wird das Jungtier in die Länge gezogen (oft auch durch selbstständigen aber langwierigen Geburtsprozess. Meist ist das betreffende Tier schon tot. Bei der Geburtshilfe solche Föten muss man vorsichtigen Druck ausüben sonst kann das Jungtier im Mutterleib  zerreißen und somit nicht vollständig geboren werden- Gefahr eine Sepsis. Ebenso kann es dabei zu Rupturen des Gebärapparates kommen. Beim Feststecken von Jungtieren oder nicht Vorrangehen von Geburten ist eile geboten und das Tier sollte schnellstmöglich einen Veterinärmediziner vorgestellt werden. Solche Geburtsprobleme treten auf, wenn das Jungtier zu groß ist (falsche Verpaarung, wenige Föten und zu hochkalorische Fütterung) oder auch wenn anatomische  Probleme bestehen wie Kuhhessigkeit, enge Beckenstruktur oder eine schlechte Elastizität der Bänder an der Hüfte (Alter). Deswegen sollten erstgebärende Häsinnen auch nicht zu alt sein und die Abstände zwischen den Würfen richtig gewählt werden.

Frühgeburt ca. 3. Trächtigkeitswoche

Frühgeburt ca. 3. Trächtigkeitswoche ein Junges mit übergezogener Haut durch Belecken

Frühgeburten

Durch verschiedene Umstände kann es zu Frühgeburten kommen. Bis zum 28./29.Trächtigkeitstag sind die Jungen nicht überlebensfähig. Gründe für ein Abort können Doppelbelegung, aber auch Stoffwechselstörungen durch Stress etc., sowie  Erkrankungen vorallem des Geburtsapparates (Gebärmutterentzündungen) sein. Eine Doppelbelegung kann z.B. vorkommen, wenn die Häsin länger mit dem potenten Rammler zusammen bleibt. In der Regel lasen sich trächtige Häsinnen nicht mehr decken, doch auch hier gibt es Ausnahmen.